Es hat schon etwas von schicksalhafter Fügung, dass der Kreistag am Mittwoch erstmals in Altenburgs größter Veranstaltungshalle tagte. Denn was sich dort abspielte, hatte Event-Charakter: Jubel, Beifall, ein ausgelassenes Publikum. Es fehlten nur noch die Autogrammwünsche. Dass für gute Unterhaltung gesorgt sein würde, war von Anfang an klar. Zumindest mit Blick auf die am heißesten erwartete Darbietung: „Schulnetzplan für die allgemein bildenden Schulen in Trägerschaft des Landkreises Altenburger Land im Zeitraum 2020 bis 2025“. Geboten wurde ein 90-Minüter – streckenweise zwar so langatmig wie der sperrige Titel, jedoch mit einem Happy End von emotionaler Tragweite.

Tatsächlich ist das, was am Mittwoch auf der politischen Bühne inszeniert wurde, eine richtig gute Nachricht für etliche Eltern und Kinder im Altenburger Land. Bedeutet es doch, dass liebgewonnene Bildungsstandorte erhalten bleiben, große Einschnitte zunächst weitgehend vom Tisch sind. Für die allermeisten, die in den vergangenen Monaten gebangt, protestiert, gehofft haben, hätte der Abend nicht besser laufen können. Und die Akteure auf der Bühne haben den Jubel wohl genossen. Einschneidende Entscheidungen wären unangenehmer gewesen.

Was Bühnenshows naturgemäß nicht thematisieren, sind Realitäten, die das Happy End verwässern. In diesem Fall das Kernproblem eines Landkreises mit sinkenden Einwohnerzahlen und die größer werdende Herausforderung, die im ländlichen Raum Verbliebenen in jeglicher Hinsicht zu versorgen. Dieses Problem hat der Kreistagsbeschluss nicht aus der Welt geschafft. Es wird wohl schon recht bald wieder auftauchen – so ehrlich muss man sein. Die Störfeuer beziehungsweise das Phlegma des Ostthüringer Schulamtes wird seinen Teil dazu beitragen. Der Schulsprengel im Süden des Landkreises wurde erfolgreich verhindert, die Besetzung freier Lehrerstellen kommt nicht voran. Nicht absehbar ist derzeit auch die Zuzugswelle junger Familien aufs Land – außerhalb des Leipziger Speckgürtels, abseits der S-Bahnlinie.

Um das klar zu sagen: Es ist nichts Verwerfliches daran, dass das Altenburger Land zu seinen Schulen steht. Im Gegenteil: Wenn von Politikern Versprechungen in dieser Hinsicht gemacht wurden, sind diese auch zu erfüllen. Doch um längerfristig die Zukunft zu sichern, braucht es nicht nur ein Nein zu Schließungen, sondern auch ein Ja zu konkreten Lösungswegen. Die Aufhebung der Schulbezirksgrenzen mag hier und da etwas Entspannung verschaffen, die Gesamtzahl der Kinder wächst dadurch aber nicht. Und Schulen in Wohnortnähe mögen ein wichtiges Kriterium für den Zuzug von Familien sein – ausschlaggebend sind sie, für sich genommen, jedoch nicht.